Schmunzelecke

"Manchmal ist die Phantasie des Steuerzahlers größer als die Regelungskraft des Gesetzgebers."

Wolfgang Schäuble (*1942), Bundesfinanzminister (Quelle: FOCUS)

Passend zu diesem Zitat folgender Sachverhalt, über den das Finanzgericht Baden-Württemberg jüngst zu urteilen hatte:

ein Betriebsprüfer des Finanzamtes, der einen Teil seiner Prüfungstätigkeit von zu Hause aus verrichtete (Anm.: so was soll es tatsächlich geben) war der Auffassung, dass dieses Engagement irgendwie auch steuerlich gewürdigt werden müsse.

Auf der Suche nach einer Absatzmöglichkeit kam er nun auf folgende Idee:
neben den Kosten für das von ihm genutzte häusliche Arbeitszimmer, müsse man doch irgendwie auch die Kosten für die in den privaten „Örtlichkeiten“ durchgeführten, beruflich veranlassten Toilettengänge steuerlich geltend machen können. Und wie? …na klar, durch das allseits beliebte Fahrten… äh nein, in diesem Fall Toilettengangbuch.

Akribisch wurden sämtliche Toilettengänge in dem Büchlein erfasst, sortiert nach beruflich und privat veranlasst, addiert zu einem Jahreswert, multipliziert und dividiert mit den jährlichen Kosten, subtrahiert, um die eindeutig privat veranlassten Kosten, und und und…

Tja, und wie hat das Gericht wohl entschieden?
In bewundernswerter Nüchternheit und Klarheit wurde die Klage sowohl hinsichtlich der Kosten für das häusliche Arbeitszimmer als auch - im Rahmen eines Erst-Recht-Schlusses - hinsichtlich der Toilettenkosten abgewiesen: da das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit des Betriebsprüfers darstellt, sind die Kosten hierfür auch nicht absetzbar. Wenn die Nichtabzugsfähigkeit für das häusliche Arbeitszimmer schon greife, so gelte dies erst Recht für die häusliche Toilette!

Und wer´s nicht glaubt:

nachzulesen unter Finanzgericht Baden-Württemberg, AZ.: 9 K 2096/12